Die Oudeberg Permakultur Farm

Eine glückliche Fügung hat mich hier her gebracht: Ich hatte in Namibia einige Projekte und Permakulturisten angeschrieben, ob sie mich wohl in ihren Projekten brauchen könnten. Einer davon hatte sofort geantwortet, dass er sich mittlerweile in Südafrika befinde und mir in Namibia leider nicht weiter helfen könne, aber dass ich doch mal auf der Oudeberg Farm in Südafrika nachfragen solle, denn diese Farm gehöre Tahir, einem der besten Permakukturisten, die er kenne. Und so kontaktierte ich Tahir und erhielt auch promt die Antwort, dass ich gleich nach dem Namibia Urlaub spontan kommen könne. 

Ich fuhr also von Upington nach Kapstadt. Dort besuchte ich einen meiner neuen Freunde vom Festival. Wir verbrachten einen wunderschönen Tag auf seinem Motorrad ums Kap der guten Hoffnung rum und am nächsten Tag brachte er mich auf die Farm, da er sowieso Freunde in der gleichen Gegend besuchen wollte. 

Die Fahrt dort hin war schon wunderschön, doch die Farm selbst war noch viel schöner. Mitten in der wilden Natur der Karoo Wüste, zwischen den Bergen, lag sie als leuchtend grüner Punkt in der Landschaft.  Der Gemüsegarten, die Luzerne-Felder, Hühner und Schweine und sonstige Tiere - alles blühte gesund und ich merkte sofort, dass ich an einem dieser Orte angekommen war, an denen alles in Ordnung ist und genau so ist, wie es sein soll; wie es so oft der Fall ist, an Permakultur Orten. Tahir hat es einmal so formuliert: “eine gute, gesunde Permakultur betreten ist wie durch ein Portal treten. Man betritt Orte der Balance, und das hat auch Effekt auf die Menschen, sie spüren es sofort und es bringt sie auch in ihre eigene Mitte“.

Jedenfalls wurde ich kurz aber herzlich begrüßt und meine Räumlichkeiten wurden mir gezeigt. Ich bekam ein kleines Schlafzimmer in einem eigenen kleinen Häuschen, und eine eigene Küche in einem anderen kleinen Häuschen. Beide waren sehr spartanisch, aber gemütlich und sauber eingerichtet. Den Abend hatte ich frei und für mich. Mir war die Ruhe ganz recht, so konnte ich erstmal ankommen, mich einrichten und durchschnaufen. Am nächsten Tag ging es los...

Erste Tage im Garten

Volunteering auf der Oudeberg Farm ist kein Zuckerschlecken. Um 7 Uhr morgens geht es los, man arbeitet bis 12 Uhr mittags und dann nochmals von 4 Uhr bis 7 Uhr am Nachmittag. Am Wochenende wird nur das Nötigste getan, doch auch das kann mehr als nur 8-Stunden-Arbeitstage ergeben. 

Meinen ersten Tag startete ich höchst motiviert. Ich wurde Cécile zugeteilt, um die täglichen Standard-Abläufe zu lernen. Cécile ist Franzosin, in meinem Alter und hier für 3 Monate angestellt, weil auch ihr Freund Jordan hier auf der Farm arbeitet und sie sozusagen auf Besuch bei ihm ist. Sie ist ein Mädchen mit goldenem Herzen und wir haben uns sofort wunderbar verstanden. Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich mich von Anfang an wohl fühlte auf der Farm, da Tahir und seine Familie doch eher distanzierte Menschen sind und ich mit ihnen erst warm werden musste.

Als erstes wurden die Hühner gefüttert. Dann wurden Obst und Gemüse geerntet (es gab herrliche Pfirsiche...) und verräumt, und anschließend ging es los im Garten mit jäten und mulchen. Wegen der extremen Trockenheit musste sehr viel gemulcht werden, weshalb überall Comfrey (Beinwell) wuchs, der dafür verwendet wird. Und der Garten ist riesig, wenn man am einen Ende fertig damit ist, dann ist das andere Ende schon wieder völlig überwuchert und zugewachsen. Hier gibt es kein Ende... Die Zeit im Garten versüßte mir oft auch Aliya, die 8-jährige, wilde Tochter von Tahir und Larissa, die mich oft besuchen kam und mir Geschichten erzählte oder an mir rum kletterte. 

Die Mittagszeit verbrachte ich damit, aus meinen E-Books zu lernen, Pläne für die Zukunft zu schmieden und auch die Vorzüge eines Mittagsschläfchens habe ich enorm zu schätzen gelernt. Am Nachmittag wurden dann erstmal die Anzucht-Pflanzen gegossen, und dann ging es weiter im Garten. Nachmittags brauchten uns die Männer oft auf den Feldern. Dann halfen wir dort Bewässerungs-Sprenkler verschieben oder Tiere umsiedeln. Ansonsten fand meine erste Woche aber hauptsächlich im Garten statt.

Den ersten Tag absolvierte ich extrem motiviert und energievoll. Am zweiten Tag ließ meine Energie nach. Der Comfrey hatte meine verweichlichten Hände aufgerissen und das viele Rumlaufen saß mir in den Knochen. Der dritte Tag war hart und es kamen Zweifel in mir auf. Zur harten Arbeit hinzu kam, dass Larissa, Tahirs Frau, eine eher raue Umgangsform pflegt und mich nicht unbedingt viel Dankbarkeit für meine investierten Stunden spüren ließ – kurz gesagt: ich kam mir ein bisschen vor wie ein Sklave. Doch mir war auch bewusst, dass meine wehleidigen Gedanken und die Zweifel wahrscheinlich nur der Eingewöhnungs-Zeit zuzuschreiben seien und ich sie nur durchstehen müsse, damit alles wieder besser wird. Und so war es dann auch, denn die nächsten Tage ging es wieder bergauf.

Mein erstes uns einziges Wochenende

Um mein erstes Wochenende war ich trotzdem dankbar. Die meiste Zeit verbrachte ich in meiner Küche, da es viel zu heiß war, um draußen aktiv zu sein. Ich lernte, räumte ein bisschen auf und putzte, lieh mir Jordans Laptop, um mit meinem Blog anzufangen, kochte für Cécile und Jordan, die arbeiten mussten.

Mein Sonntag sah ähnlich aus, nur dass ich mich an diesem Tag nachmittags aufmachte, um die Gegend zu erkunden. Tahir hatte mir auf seiner Höhenlinien-Karte gezeigt, wie ich laufen könne, und so bahnte ich mir einen Weg durchs Gestrüpp, um den höchsten Berg der Farm zu erklimmen. Die Wanderung dauerte ca. 2 Stunden und führte mich auf den Pfaden wilder Tiere durch dürre Buschlandschaften und karge, vor kurzem niedergebrannte Gegenden. Oben angekommen hatte ich einen herrlichen Ausblick auf die umliegenden Berge und die kleine, grüne Farm im Tal. Den Rückweg trat ich dann aber über die Straße an, denn ich war schon eher spät dran. Und kurz nach Sonnenuntergang war ich wieder zuhause. 

Die Wanderung hatte gut getan. Nicht nur, um mir mal einen Überblick über meine Lage zu verschaffen, sondern auch, um hier richtig anzukommen. In der ersten Woche war ich noch eher unruhig gewesen – ständig am Ausschau halten nach Schlangen und Skorpionen und Baboons. Diese Ängste hatte ich auf meinem Weg in den Bergen langsam aber sicher abgelegt, sodass ich frei davon wieder unten ankam. So wurde das Leben hier etwas entspannter...

Vom Garten auf die Farm

Am Montag der zweiten Woche fuhr Larissa mit den Kindern für 10 Tage nach Kapstadt. Dass Aliya mich verließ, fand ich sehr schade, und ich hatte Sorge, dass es mir jetzt im Garten langweilig werden könnte. Doch Tahir spannte mich jetzt immer öfter für Arbeiten auf der Farm ein und so war ich viel weniger im Garten. Ich war dankbar dafür, denn so hatte ich auch das Gefühl, dass ich hier richtig was lernte.

Auf den Feldern wird aktuell Luzerne angepflanzt und “intensive rotational grazing“ betrieben. Das bedeutet, dass die Tiere immer für kurze Zeit auf ein Feld kommen, dieses mit ihren Exkrementen düngen, während sie es langsam niederfressen, und dann ein paar Tage später aufs nächste Feld kommen. Dementsprechend müssen die Tier-Camps auch immer wieder verschoben werden, also die Elektrozäune umgebaut werden und die Tiere von A nach B getrieben werden. Und auf den Feldern ohne Tiere, gibt es auch immer genug mit der Bewässerung zu tun. Das Bewässerungssystem ist hier allgemein eine Wissenschaft für sich...

Jedenfalls verletzte sich einer der Mitarbeiter hier in einer zweiten Woche auf der Farm. Nicht schlimm, aber doch so, dass er einige Tage ausfiel. Zum Pech für die Farm und zum Glück für mich, denn jetzt wurde ich mehr auf den Feldern eingespannt. 

Ein weiteres Ereignis, das gerade in meiner Zeit hier stattfand, war das neue Bohrloch. Es wurde am dritten Tag nach meiner Ankunft gebohrt und musste anschließend mit einer Pumpe, Solarzellen und Tanks versehen und verkabelt und verrohrt werden. Da gab es auch einiges zu tun. Am Anfang war ich in diesen Projekt weniger involviert, ich durfte die Entstehung nur eher von außen mit beobachten. Doch dann kam ich dank meines Bauingenieursstudiums damit in Kontakt, denn Tahir fragte mich, ob ich ihm einige Berechnungen zur Durchflussmenge machen könne. Was er wissen wollte, war gar nicht so leicht zu berechnen. Ich wusste nicht genau, wie ich es anstellen sollte, daher saß ich 2 Abende lang bis spät nachts über den Berechnungen. Damit habe ich ihn, glaube ich, beeindruckt. 

Und all diese Entwicklungen spielten zusammen, und so kam es, dass ich immer mehr mit Tahir arbeitete. Am Anfang nahm er mich nur immer öfter mit auf seine Missionen auf der Farm. Dabei arbeiteten wir wie geschmiert zusammen und gleichzeitig erzählte er mir noch endlos Geschichten und Lektionen über Permakultur und übers Leben. Er wurde ein richtiger Mentor für mich, und je mehr er mir erzählte, desto höher stieg mein Respekt für ihn. Am Anfang war ich mir nicht ganz sicher, was ich von ihm halten sollte. Er ist ein bisschen ein Verschwörungstheoretiker, hat eine eher spezielle, belehrende Art, und ist auch sehr überzeugt von sich selbst. Mittlerweile hat sich mein Bild aber geändert. Er ist wirklich ein enorm guter Permakulturist. Er kann logisch denken, er kann mir jede Frage beantworten. Er weiß einfach, was er tut und warum er es tut. Und er ist enorm direkt und umsetzungsfreudig, es wird nicht lang rumgetan, sondern einfach gemacht, und so ist er auch sehr effektiv. 

Am Wochenende waren Cécile und Jordan nicht da, und so hatte ich “Dienst“. Somit waren Tahir und ich die einzigen verbleibenden Arbeiter auf der Farm und wir spielten wunderbar zusammen, sowohl beim Luzerne mähen, als auch beim Maschine reparieren, als auch beim Sprinkler verstellen. Wir bildeten einfach ein gutes Team und das Arbeiten machte Spaß, obwohl es auch sehr viel war. 

Jedenfalls hatte ich Tahir nach diesen Wochenenden, so glaube ich, völlig von mir überzeugt. Ab dem Zeitpunkt übernahm ich immer mehr Jordans Job, der dadurch mehr Autonomie erhielt und vermutlich auch ganz dankbar um die neuen Freiheiten war. Ich fuhr mit Tahir für Einkäufe in die Stadt und half ihm durch den ganzen Neues-Bohrloch-Prozess. Wir verkabelten die Solarzellen, stellten die neuen Tanks auf, legten die Rohre aus und verbanden sie, integrierten sie ins bestehende Bewässerungssystem. 

Am Wochenende drauf fuhr Cécile zurück nach Frankreich und Jordan brachte sie nach Kapstadt, somit war ich wieder im Dienst. Und wieder arbeiteten wir das ganze Wochenende durch. Als wir am Sonntag fertig waren, umarmte Tahir mich und bedankte sich für meine Hilfe und meinen Beistand, sowohl physisch, als auch moralisch. Er machte mir auch ein paar enorme Komplimente – er gestand mir zu, dass ich der beste (weibliche) Volunteer sei, den er je gehabt hätte, dass ich das Zeug zu einer grandiosen Permakulturistin hätte, wenn ich nur dran bleibe, und dass ich Erfolg haben würde, in allem was ich im Leben mache. Und das von einem Menschen zu hören, von dem ich wirklich sehr viel halte und vor dem ich so großen Respekt habe, ist schon sehr motivierend.

Jemanden wie Tahir auf meiner Seite zu haben, ist extrem wertvoll. Er kennt die Permakultur Szene hier in Suedafrika und kann mir dementsprechend auch enorm gut weiter helfen bei meiner Suche nach weiteren Projekten. Viele der bekannteren Permakulturisten kennt er persoenlich und kann mir somit Auskunft ueber deren Qualitaet erteilen. Und viele der Menschen, die kleinere Projekte betreiben, haben bei ihm einen Kurs gemacht. Daher kennt er auch viele von denen.

Allerdings will er mich auch noch nicht gehen lassen. Er hat mir jetzt vorgeschlagen, in Berg en Dal weiter zu machen. Berg en Dal ist eine Gemeinschaft in Ladismith. Es handelt sich hierbei um eine grosse Farm, auf der Tahir mit einigen Freunden vor ca. 20 Jahren eine Permakultur-Community aufgebaut hat. Die Permakultur selbst ist hier also schon recht etabliert und ausgereift, allerdings gab es in letzter Zeit enorme Probleme mit Nachbarn und mit dem Wasser. Deshalb ist Berg en Dal aktuell eher ausgetrocknet und viele Menschen haben den Ort verlassen. Tahir ist der Meinung, dass ich hier einiges lernen kann und dass ich dem Projekt gut tun koennte, indem ich wieder etwas neuen Wind und Schwung hineinbringe. So werde ich nun am Freitag mit ihm dorthin fahren, eine neue Pumpe im Bohrloch installieren und dann dort bleiben. Ich bin somit noch etwas laenger sein Volunteer, nur eben ueber die Entfernung hinweg.

Die Flut

Die letzte Woche auf der Oudeberg Farm war recht routiniert. Ich kannte die Farm mittlerweile sehr gut, und mir wurden Aufgaben zugeteilt, als waere ich eine normale Mitarbeiterin. Teilweise war ich mit Jordan und Tahir auf den Feldern und am Bewaesserung ausrichten, teilweise war ich aber auch im Garten beschaeftigt. Nur an einer richtig coolen Aufgabe nahm ich noch teil, und das war das Aufstellen und Installieren eines Regenwasser-Tanks inklusive First Flush an meinem kleinen Kuechen-Haeuschen. Ansonsten ging es dem Ende entgegen und das merkte ich auch in meinem ganzen Alltag. Ich arbeitete und in den Zwischenzeiten war ich mit Aufraeumen und Putzen beschaeftigt.

Aus Freitag wurde dann Sonntag. Es tauchte naemlich Mitte der Woche ein einzelner Pavian auf der Farm auf und stahl aus dem Gemuesegarten. Und das ist eine bedrohliche Situation auf einer Farm wie dieser - der Pavian muss dann gefangen und erschossen werden. Grundsaetzlich leben zahlreiche Pavian-Gruppen um die Farm herum in der Klein Karoo Wueste. Sie wissen, dass sie nicht auf die Farmen kommen duerfen, weil sie sonst erschossen werden. Wenn aber ein Machtkampf zwischen den Fuehrern der Gruppe entsteht und einer der Paviane verliert, dann wird dieser ausgestossen und muss das Territorium verlassen. Ihm bleibt dann als Einzelkaempfer nicht viel uebrig, als sich auf den Farmen sein taeglich Brot zu stehlen. Daher sind solche Paviane recht gefaehrlich und darum schob Tahir seine Fahrt nach Ladismith nach hinten. Um den Pavian zu fangen, stellten wir Fallen an allen Enden der Farm auf und postierten einen Wachtposten auf dem Huegel ueber der Farm. Und Tahir oder Jordan waren staendig mit Gewehr unterwegs. Und dennoch fingen wir ihn nicht.

Mir war eine spaetere Abfahrt gar nicht unrecht, denn ich hatte immer noch viel zu putzen und herzurichten und kam vor lauter arbeiten kaum dazu. Daher freute ich mich sehr auf das Wochenende. Auch war Jordan mal wieder da und so dachte ich, dass es dieses Mal wohl etwas entspannter wuerde. Doch weit gefehlt...

Samstag nachts fing es an zu regnen und zu stuermen. Und als ich um 6 Uhr aufstand, sah ich Tahir schon an meinem neuen Regenwassertank hantieren. Anscheinend war viel mehr Wasser vom Himmel gekommen, als er erwartet hatte, und so war er nachts schon ein paar Mal aufgestanden, um Tiere in Sicherheit zu bringen. Jetzt am Morgen, es regnete immer noch in Strömen, musste alles schnell gehen und Flut-sicher gemacht werden. Und so wurde ich sofort eingespannt. Ich war innerhalb von 2 Minuten bis auf die Haut durchnaesst. Immerhin dadurch auch schnell wach...

Zuerst trieben wir die Schafe in ihren Unterstand. Sie waren traumatisiert, weil die meisten von ihnen noch nie ein echtes Gewitter erlebt hatten, da es so etwas seit 4 Jahren nicht mehr gegeben hatte. Anschliessend brachten wir die Boecke ebenfalls in den Unterstand. Es war unglaublich... Das trockene Flussbett hatte sich in einen reissenden Strom verwandelt. Und nun verstand ich auch Tahirs Panik, warum er mitten in der Nacht aufgestanden war. Waeren die Tiere geblieben, wo sie zuvor weideten, so haetten wir sie nicht mehr auf die andere Seite des Flusses bekommen.

Als dies getan war, fuetterten wir noch die Huehner und dann ging ich in meine Kueche und zog mir trockene Kleidung an. Doch kaum hatte ich das getan, stand Tahir in der Tuer und rief mich zurueck an die Arbeit. Und so schluepfte ich wieder in meine nasse Kleidung und es ging weiter. Wir siedelten die Schweine um, und fuhren anschliessend die ganze Farm ab, um Schwachstellen zu finden und Schaeden zu beheben. Die ganzen "Swales" zum Beispiel waren in der Trockenzeit gebaut worden und somit war dies nun der erste Test. Bei einigen mussten wir sofort den Ueberlauf vertiefen, sonst waeren sie durchgebrochen. Einer war schon durchgebrochen.

Erst am spaeten Vormittag, als alles soweit passte, machten wir Pause, um zu fruehstuecken. Der Regen hatte mittlerweile nachgelassen, aber das Wasser stroemte immer noch stark. Es hatte sogar die Bruecke von meiner kleinen Huette zum Haus rueber komplett ueberspuelt.

Nach der Fruestueckspause ging es dann nochmal raus auf die Farm. Inzwischen nieselte es nur, aber dafuer dicht und konstant. Wir fuhren alles ab, reparierten Rohre, die von der Sturmflut weggerissen worden waren, und ueberprueften alle sonstigen Schaeden. Die Strasse war furchtbar, ohne Allrad und Erfahrung kam man hier nicht mehr durch. Und auch im Flussbett sah man das Ergebnis der Gewalt der Wassermassen: In den Kurven des Flussbetts waren hier oft "Gabians" aufgestellt worden. Das sind grosse Gitterboxen, die mit Steinen befuellt sind, um die Stroemung abzubremsen und die Erosion zu minimieren. Teilweise hatten die Wassermassen diese Gabians einige Meter weiter gerissen - so stark war die Strömung.

Jedenfalls wurde unsere Fahrt nach Ladismith dadurch noch einmal nach hinten verschoben, denn Tahir musste nun Schadens­begrenzung auf seiner eigenen Farm betreiben. Auch die Strassen waren in keinem Zustand, um von hier weg zu kommen. Abfahrt sollte nun am Dienstag sein. Sonntag hatte ich etwas mehr Zeit fuer mich, obwohl ich auch an diesem Tag teilweise mitarbeiten musste. Und Montag war ich dann nochmal einen Tag lang allein im Garten.

Die letzten zwei Tage waren nicht mehr so spannend und ich war froh, als es am Dienstag losging. Die Zeit bei Tahir war grossartig gewesen, doch es war auch Zeit, um weiter zu ziehen. Ich hatte hier eine Menge gelernt und war tief eingetaucht in den Alltag einer kommerziellen Permakultur-Farm.
Doch meine Reise hier ist unter anderem auch eine Orientierungsreise, um meinen Weg in der Permakultur zu finden. Und dafuer muss ich noch mehr sehen, als nur einen Ort...