Tahir und seine Muster

Die Oudeberg Farm ist nach dem typischen Muster der Permakultur aufgebaut. Da ich meinen Kurs bei den Holzers auf dem Hof gemacht habe, die einen etwas anderen Permakultur-Ansatz verfolgen, musste ich mit diesem Muster erst vertraut werden: es gibt 6 Zonen, die je nach Wichtigkeit und Arbeitsintensität näher oder weiter vom Zentrum der Aufmerksamkeit entfernt sind.

  • Zone 0 = Wohnhaus, also das Zentrum
  • Zone 1 = der Garten
  • Zone 2 = Obstwald und Tiere (Hühner und Schweine)
  • Zone 3 = Weidetiere (Kühe und Schafe)
  • Zone 4 = Wald zur Feuer- und Bauholzgewinnung
  • Zone 5 = Wildnis

Ganz so strikt kann man die Zonen auch wieder nicht trennen, aber es gibt eben eine starke Tendenz dahin gehend. Zum Beispiel gibt es auch Hühner im Gemüsegarten, da diese die Beete, die neu bepflanzt werden sollen, umscharren und von unerwünschten Samen bereinigen. Und auch ein paar Obstbäume stehen im Gemüsegarten.

Die Oudeberg Farm ist noch eine recht neue Permakultur Farm. Es gibt sie erst seit 5 Jahren und seither lief es dort auch alles andere als einfach. Als Tahir die Farm übernommen hat, herrschte gerade Flut und überall war zu viel Wasser. Das änderte sich schon im nächsten Jahr und ging über in eine Dürre-Periode mit viel zu wenig Niederschlag. Laut Tahir gab es in den letzten Jahren gerade mal noch 200 ml Wasser im Jahr, das ist so gut wie gar nichts. Da merkt man eben doch, dass es sich hier um eine Wüste handelt.

Aber trotz dieser Probleme, hat Tahir es geschafft, hier ein kleines Paradies entstehen zu lassen. Zone 1-3 stehen in voller Pracht; und wenn man eine Wanderung in die Berge um die Farn herum macht, dann stechen diese Zonen in sattem Grün aus der sonst eher braun-roten Landschaft hervor. 

Der Schlüssel für diesen Farming-Erfolg ist die Bewässerung. Es gibt drei Bohrlöcher um die Farm herum, aus denen Grundwasser hochgepumpt wird. Als ich hier ankam, wurde gerade ein viertes Loch gebohrt, mit insgesamt 120m Tiefe, das war sehr spannend, mitzuerleben. Aus den Tiefbrunnen wird das Wasser in große Tanks gepumpt, die bis zu 40m über den Bewirtschaftungsflächen liegen. Somit kann das Wasser von hier aus mittels Schwerkraft in das Bewässerungssystem verteilt werden. Das Bewässerungssystem selbst besteht aus unendlich vielen Rohren, die alle miteinander verknüpft sind. Wo auch immer man auf dem Grundstück steht, man wird mindestens ein paar von diesen Rohren sehen. Es ist ein ganz schön kompliziertes System und Tahir behauptet, dass er wahrscheinlich die einzige Person ist, die es ganz und gar versteht. 

Die Bewässeung selbst läuft dann über Sprinkler, die täglich verstellt werden müssen, damit alles ausreichend und gleichmäßig bewässert werden kann. Auch gibt es gewisse Zeiten, zu denen jeweils bewässert wird, und Tahir ist sehr streng mit deren Einhaltung. Das ganze System ist enorm kompliziert. Ich verstehe zwar mittlerweile schon mehr davon als noch vor 2 Wochen, aber bin noch meilenweit davon entfernt, es im Detail zu durchschauen. 

Beim Bewässern gibt es hier gewisse Begrenzungen: ganz allgemein muss Wasser gespart werden, man weiß schließlich nicht, wie lange die Trockenperiode noch anhält und will daher nicht das ganze Grundwasser aufbrauchen. Dann mögen einige Pflanzen kein Wasser auf ihren Blättern, wenn gleichzeitig die Sonne drauf knallt; die Blätter verbrennen dann. Und natürlich verdampft die Sonne auch Wasser, was auch minimal gehalten werden sollte. 

Auf der Oudeberg Farm hat alles einen sehr strikten, geregelten Tagesablauf. Um 7 gehts los, da werden die Hühner gefüttert. Danach wird geerntet, was es gerade zu ernten gibt, und dann gehts weiter im Garten mit jäten und mulchen - zumindest, falls es gerade keine wichtigeren Aufgaben gibt. Um 12 Uhr Mittags ist dann Pause bis 4 Uhr Nachmittags. Dann geht es weiter mit Pflanzen in der Anzucht gießen, die Hühner bekommen noch einen kleinen Mittags-Snack und anschließend geht es wieder weiter im Garten.